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Mit Sprache spielt man nicht

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Sprache, also Text, ist das schönste Mittel, etwas zu verkaufen. Finde ich. Und ich freue mich darüber, wenn ich einkaufe und mit intelligenten, freundlichen Worten durch den Einkauf geleitet werde (zum Beispiel bei http://moo.com). Es gibt aber zwei Orte, an denen kein Platz für uneindeutige Formulierungen ist. Das sind der Warenkorb und die Verfügbarkeitsanzeige im Kartenvorverkauf.

Ich wollte gerne eine Lesung von Martin Suter besuchen, der in Köln aus seinem neuen Roman vorlesen sollte. Deshalb bin ich zur Website von KölnTicket, um eine Karte zu kaufen. Unter der Veranstaltung las ich:

„z.Zt. keine Tickets verfügbar”

Um herauszufinden, was diese Formulierung bedeutet, rief ich bei der Telefonnummer der Ticketverkäufer an.

  • Ich: „Ich möchte gerne Karten für die Lesung von Martin Suter bei der LitCologne kaufen.”
  • Telefondame (tippt und schaut nach): „Oh, das tut mir leid, da sind leider im Moment keine Karten mehr zu bekommen”
  • Ich: „Also ist die Lesung ist ausverkauft?”
  • Telefondame: „Ja, so ist das. Allerdings kommt es ab und zu vor, dass Tickets zurückgegeben werden. Die sind dann noch zu haben.”
  • Ich: „Warum schreiben Sie dann nicht einfach ’Ausverkauft’ und schreiben dazu, dass manchmal später noch Karten zu haben sind?”
  • Telefondame:„Aber das steht doch da.”
  • Ich: „Nein, eben nicht. Sie machen Sie mir falsche Hoffnungen. Es könnte doch auch sein, dass der Vorverkauf noch gar nicht begonnen hat, oder, dass ein Systemfehler vorliegt. Realistisch wäre doch, zu sagen ’Es gibt keine mehr’. Denn so ist es doch. Was soll ich jetzt machen, jeden Tag schauen, ob sich der Eintrag ändert?”
  • Telefondame: „Ja, schauen Sie einfach öfter mal vorbei, wenn Sie Zeit haben.”
  • Ich: „Ich fühle mich durch die Formulierung als Kunde nicht ernst genommen. Sie glauben doch wohl nicht, dass ich jetzt jeden Tag Nägel kauend Ihre Website besuchen oder bei Ihnen anrufen werde, um zu fragen, ob es denn nicht vielleicht jetzt noch zwei Karten gäbe? Das ist doch entwürdigend.”
  • Telefondame: „Finden Sie?”
  • Ich: „Ja, finde ich. Wenn auf der Seite steht ‚Ausverkauft’, weiß ich, woran ich bin, und schau‘ mich nach einer Alternative um. Vielleicht sogar in Ihrem Shop. Bei Ihrer Formulierung habe ich das Gefühl, Sie spielen mit mir, wie Foghorn Leghorn mit dem Hund an der Leine. Das ärgert mich.”
  • Telefondame: „Schauen Sie doch einfach, wenn Sie mal Zeit haben, wieder auf die Seite. Vielleicht gibt es ja irgendwann noch Karten.“
  • Ich: „Das werde ich bestimmt nicht tun. Vielen Dank.“

PS: Bei Donna Leon waren noch Karten zu haben. Aber die will ich nicht hören.

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