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Ein iPhone für die persönliche Fortbewegung?

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Das iPhone 5 verkaufte sich am ersten Wochenende über 5 Millionen mal. Auch dieses Mal bildeten sich auf den Straßen wieder Schlangen vor den Apple Stores mit Menschen, die das Ding unbedingt sofort haben wollten.

Und dabei ist das iPhone heute Mainstream und seinen Besitzern so viel wert, dass sie dafür bereitwillig an vielem sparen.

Bevor ich zur Mobilität komme, muss ich noch ein wenig vom iPhone erzählen.

Vor 5 Jahren hat ein Mobiltelefon die mobile Kommunikation verändert

Geschichten über das iPhone gibt es viele. Ich möchte nur mal ein paar Punkte herausgreifen, die zum geradezu revolutionären Erfolg des Gerätes beigetragen haben:

  • Technische Details, die Nerds die Tränen in die Augen treiben und Flamewars in der Computerwelt anfachen.
  • Wunderbar einfache Bedienung, die alles, was bisher dagewesen war, plötzlich alt aussehen ließ.
  • Schicke Oberfläche, bei Hard- und Software die man einfach anfassen wollte.
  • Permanente Verbindung zum Internet – ganz selbstverständlich.

Jeder wollte es haben – egal ob Nerd, Hipster oder Hausfrau. Und jeder staunte über die Bedienung mit Gesten und Sensoren, die es so vorher noch nie gab. Heute, 2012 sind klassische Mobiltelefone praktisch vom Markt verschwunden. Das Smartphone ist der Standard.

Woran heute nicht mehr so viele denken, ist aber, wie die Welt 2007 ungefähr aussah:

  • Mobilfunkgeräte wurden von Mobilfunkgeräteherstellern hergestellt.
  • Mobilfunkanbieter diktierten den Herstellern Funktionen und Aussehen der Geräte. Viele Geräte wurden sogar speziell für einzelne Anbieter hergestellt.
  • Mobile Dienste wie Karten- oder Navigation liefen häufig über spezielle Dienstmerkmale, Tarife und Angebote des Providers.
  • Apple hatte noch nie ein Mobiltelefon hergestellt.

Bei Null anfangen

Ich glaube, dass der letzte Punkt mit entscheidend dafür war, dass Apple mit dem iPhone die Klasse der Smartphones völlig neu definierte und für den Erfolg verantwortlich ist.

Apple konnte von Null anfangen. Die Firma wusste, wie man erfolgreiche Unterhaltungselektronik-Artikel baut. Der iPod war zu diesem Zeitpunkt der erfolgreichste mobile MP3-Player, der in keinem modernen Haushalt fehlen sollte – und der so schön und einfach zu bedienen war. Und von dieser Richtung aus ging Apple an das Projekt Smartphone heran: Ein Lifestyle-Produkt, dass so betörend war, dass es jeder Mensch haben wollte.

Als das iPhone aufkam gab es schon andere Geräte, die E-Mails senden und empfangen konnten und Internetfunktionen boten. Das bekannteste war das Blackberry. Diese waren vor allem von Firmen für ihre Mitarbeiter angeschafft worden, damit diese immer erreichbar sein konnten.

Aber Apple wandte sich direkt an die Nutzer und stieß damit einen Trend an, der heute in vielen Firmen zu beobachten ist und sich Consumerization nennt.
Angestellte bringen ihre privaten elektronischen Geräte mit in das Unternehmen und benutzen sie für ihre Arbeit. Sie lassen sich nicht mehr vorschreiben, womit sie arbeiten. Wenn sie lieber mit dem iPhone arbeiten, nutzen sie dieses. Der Arbeitgeber muss damit klarkommen.

Vielleicht kann heute ein Fahrrad die persönliche Mobilität verändern

Wenn ein Elektronikgerät es schafft, die mobile Kommunikation völlig zu verändern und sogar die Weltwirtschaft zu retten, dann könnte man sich doch vorstellen, dass auch in anderen Lebens- und Wirtschaftsbereichen solch eine Entwicklung möglich wäre – zum Beispiel in der persönlichen Mobilität, die zur Zeit noch sehr stark vom Auto geprägt ist.

Wie muss also ein Fahrzeug aussehen, wenn es eine iPhone-artige Revolution auslösen soll?

  • Es muss eine bestehende Kategorie umkrempeln.
  • Es muss sexy aussehen.
  • Es muss zugänglich sein auch für Menschen, die sich nicht für das Thema interessieren.
  • Es muss Supergeeks und normale Menschen gleichermaßen ansprechen.
  • Es muss das Leben schöner machen.
  • Es muss Spaß machen, damit zu fahren.
  • Es muss das Lebensgefühl verbessern.
  • Es muss neue Möglichkeiten eröffnen.

Ich glaube, ich habe so ein Fahrzeug gefunden. Es heißt Mando Footloose und es hat keine Kette.
Um genau zu sein ist es das weltweit erste E-Bike mit kettenlosem Hybridantrieb.
Dabei wird das Hinterrad immer von einem Elektromotor angetrieben während die Pedale einen Generator antreiben, der den Motor steuert und die Batterie lädt. Denn der Widerstand des Generators lässt sich einstellen, wie mit der Schaltung eines Fahrrads.

Bei diesem Fahrzeug (nennen wir es Fahrrad) sehe ich mehrere Übereinstimmungen mit der Situation beim ersten iPhone 2007:

  • Der Hersteller, Mando (Meister Inc.) kommt nicht aus der Fahrradbranche. Er ist erfolgreich als Zulieferer für die Automobilindustrie mit einem riesigen Programm an Fahrwerks- Brems- und Steuertechnik, sowie Elektromotoren für alle möglichen Anwendungen.
  • Das Produkt hat einen völlig neuen Ansatz. Es ist nicht einfach ein Fahrrad ohne Kette. Es ist eher ein neuartiges Fortbewegungsmittel, das die Form eines Fahrrads hat.
  • Das Produkt sieht sexy aus. Die Technik ermöglicht ein fließendes, aufgeräumtes Design.

Mark Sanders, der Designer des Rads, das sich auch sehr elegant falten lässt, war selbst überrascht von den Möglichkeiten, die diese Technik bietet. Sie ist plötzlich da und man geht wie selbstverständlich damit um. Wenn man will, kann man ganz schnell treten und den Berg hinunter auf Wahnsinns-Tempo beschleunigen, oder man nutzt die Pedale eher wie ein Gaspedal, um das Rad zu steuern.

Das iPhone hat bewirkt, dass alle Welt Smartphones haben wollte, warum soll nicht dieses Rad dafür sorgen, dass alle Welt ein Smartbike haben will?

Und wenn alle Welt dieses Ding will, dann muss sich alle Welt auf dieses Ding einstellen. Ein Auto war das genauso wiederholtes haben, deshalb kann.

Was passieren kann

Das iPhone hat die Art, wie Menschen mit Technik umgehen verändert. Sie kaufen teure Hüllen dafür und noch teurere Kopfhörer, installieren haufenweise Apps und nutzen sie für alle möglichen und unmöglichen Aufgaben. Übertragen auf ein Konsumenten- und Unterhaltungsorientiertes Fahrrad könnte ich mir folgende Bilder vorstellen:

  • Menschen stehen Schlange vor den Outlets von Mando, um sich das neue Fahrzeug zu kaufen.
  • Hersteller (aus Europa) kopieren die Technik.
  • Mando veröffentlicht eine API (Softwareschnittstelle) für die Steuerung. Programmierer verändern die Steuerung der Technik und bieten Apps, zum Beispiel, um Wheelies zu fahren.
  • Footloose-Besitzer verbinden sich zu virtuellen Ausfahrten mit anderen.
  • Eisenbahnen bieten Smartbike-Abstellplätze mit Ladestationen an.
  • Smartbikes erreichen eine kritische Masse. Sie beherrschen die Straßen, weil sie so schnell sind wie die Autos.
  • Smartbike-Fahrer nehmen nicht den Radweg, sondern die Straße, weil sie zu schnell sind.
  • Die Nutzung von PKWs nimmt ab.
  • Um das Smartbike herum bildet sich ein komplettes Ökosystem mit Zubehör, wie Anhängern, schmückenden Verkleidungen und anderen Individualisierungen.
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fahrstil – Das Radmagazin (Vorsicht Werbung)

1 Kommentar
Rz_pre_fahrstil_u1

Ich durfte in den letzten Wochen Teil eines Projekts sein, das sicher einige von euch interessieren dürfte: Seit Freitag gibt es die Fahrradzeitschrift, auf die ich lange gewartet habe – und mit mir eine Menge anderer Fahrrad-Fetischisten.
Sie heißt fahrstil – das Radmagazin .

Ihr findet darin keine Einsteigerspecials und keine Vergleichstests. Dafür fantastische Fotos und Geschichten von Leuten, die Stahl, Gummi und zwei Räder lieben. Das Ganze auf feinstem Hochglanzpapier, vierfarbig bedruckt und streng limitiert auf 3.000 Exemplare.

Meine zwei Beiträge:
* Ein Interview mit meinem Bruder über den Zusammenhang zwischen gelöteten BMX-Rädern und schwäbischem Qualitätsstreben.
* Die Website, über die ihr das Heft bestellen könnt – mit eurer eigenen fahrstil-nummer.

Alle anderen Artikel sind mindestens genausogut. Die Ausgabe #1 widmet sich nämlich komplett dem Thema „handmade“.

Schaut‘ euch die Zeitschrift an. Ein paar Beispielseiten gibt es im Web (http://fahrstil-magazin.de/was-ist-fahrstil/) – aber das ist kein Vergleich zum Gefühl des Papiers und zum Geruch der Druckfarbe. Ich hoffe, ich hab‘ bald meine Ausgaben in der Hand (mal sehen, ob die Post mitspielt).

Hier geht’s lang:
* Homepage: http://fahrstil-magazin.de
* Inhalt und Vorschau http://fahrstil-magazin.de/was-ist-fahrstil/

Ich bin immer noch ganz berauscht.